War Goethe ein Kiffer?

Ist Hanf deutsches Kulturgut?

…und war Goethe ein Kiffer?

Konftrontiert man Ideologen – wie beispielsweise die CSU Drogenbeauftragten Daniela Ludwig – mit der Tatsache, dass Alkohol doch viel gefährlicher sei als Cannabis, bekommt man eine Antwort in dieser Art: 

Ja, aber Alkohol ist Bestandteil der Deutschen Kultur, Cannabis nicht.

Marlene Mortler, Ex-Drogenbeauftragte, CSU

Alkohol ist das Genussmittel der Weißen und Christen, Haschisch ist das, was wulstlippige Neger aus Marihuana machen, um damit in ihren Jazzlokalen weisse Teenagerinnen zu verführen.

Henry Anslinger, Ex-Drogenbeauftragter, Republikaner USA

Ja, Alkohol ist nicht harmlos, aber Cannabis ist kein Brokkoli

Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte, CSU
Bevor ich die These der Ideologen widerlege, möchte ich voranschicken, dass eine offene, freie, auf kulturelle Vielfalt bauende, tolerante und friedfertige Gesellschaft sich von Faschisten nicht sagen lassen muss, was "kulturell okay" ist. Denn genau das ist das, was Faschismus ausmacht und von demokratischen Konservativen abgrenzt.

Zwei Volksdrogen sind genug? Zwei Volksparteien auch?

Auch die Aussage der Drogenbeauftragten „zwei Volksdrogen reichen“, was auf das Gleiche hinaus läuft, lässt sich schnell auf weitere ethnologische Minderheiten ausweiten: Zwei Volkmahlzeiten (Weisswurst und Kassler) reichen, es braucht keine Dönerläden in der Deutschen Esskultur. Zwei Volksparteien, nämlich CSU und CDU, reichen in Deutschland. Es braucht keine Grünen, Sozis, Linke und Liberale (Die sind nämlich inzwischen alle für eine Legalisierung).

Politischer Kompass für die Wahl2021
Politischer Kompass für die Wahl2021

Von dem subtilen, aber bei genauen Hinsehen ganz klar erkennbaren faschistisch nationaltistischen Mindset der CSU Drogenbeauftragten hin zu den für Ideologen unterträglichen historischen Daten und Fakten: 

Bier ist kein bayrisches Kulturgut, Frau Ludwig!

Bier wurde nicht in Bayern erfunden, sondern in Ägypten. Die Ägypter fanden heraus, dass wenn man Wasser mit Weizen vergärt, die Trinkwasserqualität steigt. Der damals sehr geringe Alkoholgehalt wirkte nicht ermüdend, wie bayrisches Bier, sondern erfrischend und belebend. Man hielt damit Sklaven bei Laune und bei Arbeitskraft.

Hanf ist kein deutsches Kulturgut

Gehören Goethe und Weimar zur Deutschen Kulturgeschichte? Die Weimarer Republik war der erste zarte Versuch einer freien und glücklichen Gesellschaft, von den Zwängen der Diktatur, der Aristrokratie und des Adels befreit eine Demokratie zu wagen, wie es das Deutschland in der Zeit der Weimarer Republik nie gegeben hat.

Die Wurzeln dieser Revolution und Evolution, deren Früchte wir heute kauen, war die Weimarer Klassik, als sich Goethe, Schiller, Liszt, Wagner, Nitsche und all die Anderen unzähligen Genies der Kunst, Literatur, Theater, Wissenschaft und Forschung noch im Deutschen Nationaltheater zu Weimar die Klinke gegenseitig in die Hand gaben.

Leisten konnte sich Weimar diesen Wohlstand aufgrund der damals florierenden Hanfindustrie. Bis kurz nach der Wende 1989 war Thüringen führend in der Textilverarbeitung. Diese Fähigkeit hatte die Branche der industriellen Hanfwirtschaft zu verdanken. Hanfseile, -Taue und -Segel gelangten über die Kasseler Handelsrouten an die Nord- und Ostsee. Kleidergarn aus Hanf sandten die Thüringer bis nach Südtirol, wo auch heute noch die Trachtenmoden aus Thüringer Hanf gertigt werden würden, wenn es nicht verboten wäre. 

In den Ladengeschäften zu Weimar, die heute entlang der Fußgängerzone der Schillergasse noch zu bewundern sind, gab es den sogenannten „Knaster“ für wenig Geld zu haben. Dies waren die weiblichen Blüten des Nutzhanfes, der für die Textilherstellung gezüchtet wurde. Ein Abfallprodukt der Hanfindustrie für wenig Geld und mit geringem THC Anteil. Man nannte Knaster deshalb auch den Tabak für Arme. 

Tatsächlich summierte sich der THC Anteil über den Tag ganz schön. Da Knaster billig war, rauchten die Menschen es unentwegt und waren spätestens Nachmittags high und spätesten Nachts vor dem Schlafen gehen stoned. Eigentlich rauchte jeder Knaster, der sich Tabak aus Übersee nicht leisten konnte. 

Die Historiker waren deshalb auch nicht verwundert, als in Goethes Lusthaus im Belvedere Park zu Weimar eine Pfeife gefunden wurde. Da Goethe im Gegensatz zu seinem Freund Schiller schon zu Lebzeiten recht wohlhabend war, erwartete man in der Pfeife eigentlich Tabakreste, fand aber die Reste von Hanfblüten. Da die Pfeife gereinigt war, konnte nach so langer Zeit keine genetischen Marker an Goethes Pfeife festgestellt werden. Es ist also nicht bewiesen, dass Goethe die Pfeife gehörte. Sie könnte auch seiner heimlichen Geliebten Anna von Stein gehört haben. 

Leider konnte man auch nicht genau spezifizieren, um welche Sorte Hanf es sich gehandelt hat. Umso spektakulärer zeigte sich der zufällige Fund eines Weimarer Handwerksunternehmen, dessen Geschäftsführer ich persönlich noch aus meiner Zeit in Weimar kenne, die im Rahmen von Renovierungsarbeiten in Goethes Haus in Weimar, welches heute das Goethe Museum ist, ein Geheimversteck entdeckten, in dem sich eine weitere Pfeife aus Elfenbein aus Goethes Besitz befindet. 

Daneben war eine ebenfalls in Elfenbein geschnitzte, reich verzierte Dose, in der sich allerdings kein Inhalt mehr befand. Forensische Untersuchungen des Goethe Institutes haben ergeben, dass es sich zweifelsfrei um Goethes Pfeife handelte, woraufhin das Goethe Institut sich als rechtmäßiger Erbe der Pfeife erklärte und die Rückgabe der Requisite verweigerte. 

In einem geheimen Memo, dass einem befreundeten Staatsbeamten und Ex Stasi Leutnant in die Hände kam, bestätigte zweifelsfrei, dass die Sorte, die in Goethes Pfeife von Goethe geraucht wurde, satte 20 % THC und 3 % CBD beinhaltete, und genetisch eng verwandt mit der Sorte „Russian White“ ist, eine ähnliche Sorte, die Rick Simpson für sein Heilöl verwendet, mit dem er Krebskranke heilt. 

Photo Pop Art einer Weimarer Schaufensterpuppe (Alpa Varia / 2001)

Gehören die Kulturstadt 1999 Weimar und Goethe zur Deutschen Kultur, zu dessen Welterbe und als eine Seite der Deutschen, die durchaus vorzeigbar ist, Frau Ludwig, oder fällt Goethe bei Ihnen durch, weil er aus Thüringen und nicht aus Bayern stammt?

Der „Fliegenschiß auf der Landkarte“ wie Ihre Politikmitbewunderer und Gesinnungsgenossen von der AfD zu sagen pflegen, ist auch der Fliegenschiss, der die Hanfkultur in Deutschland ausgerottet hat. Ein kriegerisches Volk brauchte keine zufriedenen und friedliebenden Kiffer. „Kiffer sind faul wie die Juden“, hieß es in der Vereinszeitschrift der Hitlerjugend 1935. 

1943, als Deutschland dabei war, in seinem Krieg des Wahnsinns auszubluten, brachte die Naziregierung dann etwas scheinheilig die „Lustige Hanfibel“ heraus und verteilte sie eifrig unters Volk. Sie munterte das Deutsche Volk dazu auf, jeden fruchtbaren Winkel deutschen Bodens mit Hanf zu bepflanzen, also dem Kraut, von dem man faul wird, wie die Juden. 

Hanf war nämlich für die Kriegsmaschinerie unverzichtbar. Kriegsschiffe, Kampfuniformen, Halfter, Maschinenöl, Taschen und vielerlei mehr waren von Hanf abhängig. Als der Nachschub vor allem an US-amerikanischer Baumwolle versiegte, wurde sogar der Sprengstoff und das Zündpulver für Munition knapp. Diese Pulver bestehen überwiegend aus Zellstoffen, die genauso gut aus Baumwolle wie auch aus Hanffasern hergestellt werden können. 

Wenn sich also Ideologen auf Kulturdrogen beziehen, sollten sie bedenken, dass die einzige Ideologie, die Cannabis tilgen kann, die des Faschismus ist, egal ob von links oder rechts. Im Nazi-Deutschland war Cannabis knapp, weil die Nazis an der Macht waren, und in der DDR war Cannabis rar, weil die linken Faschisten an der Macht waren. 

Die offenen, freien, demokratischen, weltoffenen, interkulturellen, wohlhabenden Kulturen in Deutschland vor und nach den faschistischen Kulturen haben die Hanfkultur gefördert oder zumindest tolerant und wohlwollend geduldet. Die Deutschen haben ihre Hanfkultur, die Rastafa haben ihre Hanfkultur, die Hindus haben ihre Hanfkultur, die Buddhisten haben ihre Hanfkultur, die Sufis haben ihre Hanfkultur und auch die USA hat eine eigene Hanfkultur und Hanfszene. 

Die Deutsche Hanfkultur ist geprägt vom Geiste der Klassik und der Weimarer Republik. Eine freigeistige, hoch kulturelle und künstlerische, gleichzeitig wissenschaftliche und friedliche Gesellschaft, die gerne Ganja raucht und es Knaster nennt. 

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